Erklärvideo & Videoproduktion · Ein Begriff aus dem MediaPedia-Lexikon von mattostudios

In der Videoproduktion und im Marketing spielt der richtige Ton eine ebenso grosse Rolle wie das Bild. Sobald Videos auf Plattformen wie YouTube, LinkedIn, Instagram oder in Online-Kampagnen eingesetzt werden, taucht früher oder später der Begriff LUFS auf. Wer Erklärvideos, Produktfilme oder Social Ads produziert, sollte verstehen, was sich dahinter verbirgt und wie sich LUFS konkret auf die Wirkung von Kampagnen auswirkt.

Was bedeutet LUFS grundsätzlich

LUFS ist eine Einheit für Lautheit. Die Abkürzung steht für Loudness Units relative to Full Scale. Vereinfacht gesagt beschreibt LUFS, wie laut ein Audio für das menschliche Ohr wahrgenommen wird. Es geht also nicht nur um die technische Lautstärke, sondern darum, wie laut etwas empfunden wird.

Früher arbeiteten Tonstudios vor allem mit Dezibel, also dB. Dezibel messen die Signalstärke, aber nicht direkt die wahrgenommene Lautheit. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine leise Stimme mit starker Kompression kann sich lauter anfühlen als ein dynamischer Musikmix mit höherem Spitzenpegel. LUFS berücksichtigt diese Unterschiede und bildet die empfundene Lautheit deutlich besser ab.

Warum LUFS für Marketing und Erklärvideos wichtig ist

Für Marketing-Verantwortliche ist LUFS relevant, weil es direkt beeinflusst, wie professionell ein Video wahrgenommen wird. Ein Clip, der im Vergleich zu anderen Beiträgen im Feed deutlich leiser ist, wird häufig einfach übersprungen. Umgekehrt wirkt ein zu lauter Spot schnell aggressiv und unangenehm. Beides schwächt die Botschaft und damit den Marketingerfolg.

Plattformen und Endgeräte verstärken diesen Effekt. Nutzerinnen und Nutzer schauen Videos:

  • auf dem Smartphone im ÖV
  • am Bürorechner in der Mittagspause
  • abends am Fernseher über Streamingdienste

In all diesen Situationen sollte ein Video weder extrem nachgeregelt werden müssen noch unangenehm herausstechen. LUFS hilft, eine einheitliche Lautheit zu erreichen, damit die Tonspur überall gut verständlich und angenehm bleibt.

Wie LUFS gemessen wird

Die Messung erfolgt mit speziellen Loudness-Metern, die es als Plugin für gängige Schnittprogramme wie Adobe Premiere Pro, DaVinci Resolve oder als eigenständige Software gibt. Diese Werkzeuge analysieren das Audiosignal und geben einen Wert in LUFS aus. Typischerweise werden drei Messarten unterschieden:

  • Momentary Loudness sehr kurzfristige Lautheit, zeigt schnelle Ausschläge
  • Short Term Loudness Lautheit über einige Sekunden, nützlich beim Feintuning von Szenen
  • Integrated Loudness die durchschnittliche Lautheit über das gesamte Video in LUFS, besonders wichtig für die Auslieferung

Für Marketing- und Kommunikationsverantwortliche ist vor allem der integrierte LUFS-Wert interessant, weil er beschreibt, wie laut ein Video im Gesamteindruck wirkt.

LUFS und typische Zielwerte in der Praxis

Je nach Plattform und Einsatzzweck haben sich unterschiedliche Zielbereiche etabliert. Diese Werte dienen der Orientierung und werden von vielen Tonstudios und Postproduktionsfirmen genutzt, um Erklärvideos und Werbefilme konsistent zu gestalten.

Online Plattformen und Social Media

Für Online-Videos und Social-Media-Content wird häufig ein integrierter Wert im Bereich von etwa -16 LUFS bis -14 LUFS gewählt. Das ist laut genug, um auf Laptops und Smartphones gut verständlich zu sein, ohne Zuhörerinnen und Zuhörer zu überfordern.

Ein typisches Szenario: Ein Unternehmen veröffentlicht eine Reihe von kurzen Erklärvideos auf LinkedIn. Werden alle Clips auf etwa -16 LUFS ausgesteuert, wirkt die Serie wie aus einem Guss. Wer das erste Video angenehm findet, muss die Lautstärke beim nächsten nicht neu einstellen. Diese Konsistenz stärkt das Qualitätsgefühl der Marke.

Streaming und TV-Umfeld

Im Streaming- oder TV-Bereich gelten oft strengere Vorgaben. Dort liegen die Zielwerte für LUFS meist im etwas leiseren Bereich, um mehr Dynamik und einen angenehmen Gesamteindruck zu ermöglichen. Für Marketing-Teams wird dieser Bereich vor allem dann relevant, wenn Spots oder Imagefilme auch im linearen Fernsehen oder auf professionellen Streaming-Plattformen ausgespielt werden.

Der Unterschied zwischen Lautheit und Lautstärke

Wer mit Agenturen oder Produktionsfirmen arbeitet, hört häufig zwei Begriffe: Lautstärke in dB und Lautheit in LUFS. Diese beiden Konzepte sind verwandt, aber nicht identisch.

  • Lautstärke (dB) beschreibt das technische Pegelniveau des Signals
  • Lautheit (LUFS) beschreibt, wie laut das Signal vom Menschen wahrgenommen wird

Ein Erklärvideo kann technisch gesehen Spitzenpegel haben, die relativ hoch sind, aber im Durchschnitt dennoch leise wirken. Umgekehrt kann ein stark komprimiertes Voice-over bei moderatem Spitzenpegel sehr präsent und laut erscheinen. LUFS berücksichtigt, wie das menschliche Gehör auf verschiedene Frequenzen und Dynamikbereiche reagiert und liefert so einen realistischeren Eindruck der wahrgenommenen Lautheit.

LUFS im Alltag von Marketing und Videoproduktion

In der täglichen Arbeit mit Erklärvideos und Kampagnenvideos taucht LUFS an mehreren Stellen auf. Wer weiss, worauf zu achten ist, kann gezielter mit Dienstleistern kommunizieren und bessere Ergebnisse einfordern.

Briefing und Abstimmung mit der Produktionsagentur

Beim Briefing für ein Erklärvideo oder eine Animationskampagne lohnt es sich, neben Bildsprache und Tonalität auch die gewünschte technische Qualität zu erwähnen. Dazu gehört eine klare Angabe zur Ziel-Lautheit in LUFS. Eine einfache Formulierung könnte lauten:

Bitte liefern Sie die finale Tonmischung mit einem integrierten Wert von etwa -16 LUFS für Online und Social Media aus.

Solche Angaben helfen der Postproduktion, das Material von Anfang an korrekt einzustellen. Das reduziert Nachfragen und Korrekturschleifen.

Wiedererkennung von Marken durch einheitliche Lautheit

Marken investieren viel in visuelle Konsistenz, etwa in Logos, Farben und Typografie. Ähnlich wichtig ist eine konsistente akustische Präsenz. Wenn alle Videos einer Marke in einem vergleichbaren LUFS-Bereich liegen, entsteht ein wiedererkennbarer Klangrahmen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen veröffentlicht monatlich ein neues Erklärvideo zu Produkten oder Services. Jedes Video beginnt mit dem gleichen Soundlogo und einer kurzen Animation. Wenn alle Clips auf denselben Zielwert in LUFS gemastert werden, wirkt dieses Soundlogo immer gleich präsent, egal ob das Video auf YouTube, in einer Präsentation oder in einer E-Mail-Kampagne eingesetzt wird.

Typische Probleme bei falschen LUFS-Werten

Fehlende Aufmerksamkeit für LUFS führt im Marketing-Alltag immer wieder zu Problemen, die auf den ersten Blick nicht als Tonproblem erkennbar sind.

Zu leise produzierte Videos

Wenn ein Video deutlich unter den üblichen LUFS-Werten liegt, etwa bei -23 LUFS, müssen Zuschauende die Lautstärke oft stark aufdrehen. Das hat mehrere Folgen:

  • Das Video wirkt im direkten Vergleich mit anderen Beiträgen schwach
  • Wichtige Botschaften im Voice-over gehen im Umgebungsgeräusch unter
  • Nutzerinnen und Nutzer springen schneller ab, weil sie den Inhalt nicht sofort verstehen

Gerade bei Social Ads, die ohne Ton starten und erst durch Aktivierung hörbar werden, ist ein zu leiser Mix problematisch. Selbst interessierte Personen merken häufig gar nicht, dass gesprochen wird.

Zu laute und aggressive Tonmischungen

Das Gegenteil kann ebenfalls schaden. Liegt ein Spot deutlich über den empfohlenen LUFS-Bereichen, wirkt er schnell aufdringlich. Musik drängt sich in den Vordergrund, das Voice-over klingt hart und anstrengend. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer reagieren darauf mit sofortigem Abbruch oder schalten den Ton ganz aus.

Besonders heikel ist das in B2B-Kontexten. Wird ein zu lautes Video im Büro abgespielt, sorgt es für Irritationen im Umfeld. Die Marke bleibt dann eher als störend in Erinnerung, nicht als professioneller Partner.

Wie Produktionsfirmen mit LUFS arbeiten

Professionelle Studios integrieren LUFS fest in ihren Workflow. Für Marketing-Verantwortliche ist es hilfreich zu wissen, wie dieser Prozess typischerweise aussieht.

Schrittweise Annäherung an den Zielwert

Der Ton wird in mehreren Etappen bearbeitet:

  • Dialogbearbeitung das Voice-over wird gesäubert, Rauschen reduziert und die Verständlichkeit optimiert
  • Musik und Sounddesign Hintergrundmusik und Effekte werden in Lautstärke und Frequenzbereich angepasst
  • Gesamtbalance alle Elemente werden so ausbalanciert, dass Sprache klar im Vordergrund bleibt
  • Loudness-Anpassung am Ende wird der gesamte Mix auf den gewünschten LUFS-Wert gebracht

Während dieses Prozesses zeigt ein Loudness-Meter kontinuierlich an, wie sich der integrierte LUFS-Wert entwickelt. So kann die Toningenieurin oder der Toningenieur gezielt nachsteuern.

Kontrolle für unterschiedliche Ausspielwege

Viele Produktionen werden heute in mehreren Varianten ausgeliefert, etwa für:

  • Social Media Feeds im Hochformat
  • Webseiten und Landingpages
  • Präsentationen und Events

Es ist üblich, für alle Varianten denselben LUFS-Zielwert zu verwenden. So bleibt der Eindruck der Marke unabhängig vom Ausspielweg vergleichbar. In manchen Fällen werden leichte Anpassungen vorgenommen, etwa wenn ein Video hauptsächlich auf grossen Event-Bildschirmen mit leistungsstarker Beschallung läuft. Auch dann dient LUFS als Referenz, um den Mix kontrolliert an die Situation anzupassen.

LUFS und automatische Lautheitsanpassung von Plattformen

Viele Plattformen nutzen heute automatische Systeme, um die Lautheit von Videos anzugleichen. Diese Systeme orientieren sich direkt oder indirekt an LUFS. Wenn ein hochgeladenes Video deutlich lauter ist als der Zielbereich der Plattform, wird es automatisch leiser gerechnet. Ist es deutlich leiser, bleibt es oft einfach leise.

Für Marketing-Teams bedeutet das: Wer seine Videos bereits in einem sinnvollen LUFS-Bereich anliefert, behält mehr Kontrolle über das klangliche Ergebnis. Das Risiko, dass ein liebevoll abgestimmter Mix durch automatische Anpassungen verfälscht wird, sinkt deutlich.

Praktische Tipps für den Umgang mit LUFS im Marketing

Auch ohne tiefes Technikverständnis lässt sich LUFS sinnvoll in den eigenen Arbeitsalltag integrieren. Einige praxisnahe Empfehlungen helfen bei der Umsetzung.

1. Zielwerte definieren und kommunizieren

Es lohnt sich, intern eine einfache Richtlinie zu formulieren, etwa:

Für Online-Videos und Erklärfilme streben wir einen integrierten Wert von -16 LUFS an.

Diese Vorgabe kann im Styleguide für audiovisuelle Medien oder im Briefing-Dokument für Agenturen festgehalten werden. So wissen alle Beteiligten von Anfang an, worauf sie hinarbeiten sollen.

2. Referenzvideos nutzen

Statt nur abstrakte Zahlen zu nennen, können konkrete Beispiele helfen. Wenn es bereits ein Erklärvideo gibt, dessen Lautheit als ideal empfunden wird, kann dieses als Referenz dienen. Die Produktion kann den LUFS-Wert des Referenzvideos messen und sich daran orientieren.

3. Testhören auf typischen Endgeräten

Auch wenn LUFS ein objektiver Messwert ist, bleibt das subjektive Hören wichtig. Es empfiehlt sich, neue Videos kurz auf verschiedenen Geräten zu testen:

  • Smartphone mit und ohne Kopfhörer
  • Standard-Laptop-Lautsprecher
  • Büro-Monitor mit integrierten Lautsprechern

Wenn das Voice-over überall gut verständlich ist und Musik nicht übermächtig wirkt, liegt der LUFS-Wert in der Praxis meist im richtigen Bereich.

4. Auf Konsistenz über Kampagnen hinweg achten

Gerade bei Serienformaten wie wiederkehrenden Erklärvideos, Tutorial-Reihen oder Social-Video-Kampagnen ist eine einheitliche Lautheit entscheidend. Wird in einem Projekt versehentlich mit anderen LUFS-Zielwerten gearbeitet, fallen Unterschiede sofort auf. Ein kurzer Hinweis im Projekt-Kickoff, dass sich alle Produktionen am bestehenden Standard orientieren sollen, beugt dem vor.

LUFS in Verbindung mit Sprache, Musik und Soundeffekten

Im Marketing-Kontext besteht der Ton selten nur aus einer einzelnen Stimme. Häufig kommen Musik und Soundeffekte hinzu. LUFS hilft dabei, diese Elemente sinnvoll zu balancieren.

Sprache im Vordergrund

In Erklärvideos steht die Verständlichkeit an erster Stelle. Das Voice-over transportiert die Kernbotschaft. Bei der Tonmischung wird deshalb darauf geachtet, dass die Stimme auch bei einem integrierten Wert von etwa -16 LUFS klar über Musik und Geräuschen liegt. Die Musik wird so eingepegelt, dass sie unterstützt, aber nicht dominiert.

Musik als emotionaler Träger

Musik schafft Stimmung, darf aber die Verständlichkeit nicht beeinträchtigen. Selbst wenn der Gesamtmix den gewünschten LUFS-Wert erreicht, kann eine zu dominante Musikspur das Voice-over verdecken. Professionelle Tonmischungen prüfen deshalb immer wieder, ob einzelne Wörter untergehen. LUFS liefert hier den Rahmen, ersetzt aber nicht das kritische Hören.

Soundeffekte gezielt einsetzen

In animierten Erklärvideos werden Geräusche oft genutzt, um Bewegungen oder Übergänge zu betonen. Diese Effekte sollen auffallen, aber nicht erschrecken. Ein sinnvoll gesetzter LUFS-Zielwert hilft, extreme Lautheitsspitzen zu vermeiden. Effekte bleiben wahrnehmbar, ohne die Gesamtbalance zu stören.

LUFS als Qualitätsmerkmal für professionelle Videoproduktion

Am Ende ist LUFS mehr als nur eine technische Kennzahl. Für Marketing-Verantwortliche ist der bewusste Umgang damit ein Indikator für Professionalität. Wenn eine Produktionsfirma oder Agentur von sich aus konkrete LUFS-Zielwerte anspricht, zeigt das, dass sie die Anforderungen moderner Plattformen und die Erwartungen des Publikums versteht. Umgekehrt können Unternehmen mit einfachen Fragen schnell erkennen, wie ernst ein Dienstleister das Thema Ton nimmt.

Wer sich als Marke im Wettbewerb um Aufmerksamkeit behaupten möchte, sollte nicht nur in starke Bilder, klare Botschaften und gutes Storytelling investieren, sondern auch in eine saubere Tonmischung auf Basis sinnvoller LUFS-Werte. So entsteht ein konsistenter, angenehmer und professioneller Gesamteindruck, der die Inhalte trägt, statt von ihnen abzulenken.

Häufige Fragen zu „LUFS"

LUFS steht für Loudness Units relative to Full Scale und beschreibt, wie laut ein Audio für das menschliche Ohr wahrgenommen wird. Im Gegensatz zur reinen Lautstärke in Dezibel berücksichtigt LUFS, wie empfindlich wir für verschiedene Frequenzen sind. So lässt sich besser steuern, wie angenehm und gleichmäßig Ihr Erklärvideo klingt.

LUFS sorgt dafür, dass Ihre Videos auf unterschiedlichen Plattformen ähnlich laut wirken. Wenn ein Video deutlich lauter oder leiser ist als andere Inhalte, wirkt das unprofessionell und kann Zuschauer abschrecken. Eine einheitliche Lautheit unterstützt ein konsistentes Markenerlebnis und verbessert die Verständlichkeit Ihrer Botschaft.

Für viele Online Plattformen gelten Richtwerte um etwa minus 14 LUFS als gängiger Standard. Bei Erklärvideos für die eigene Website oder E Learning Inhalte werden oft Werte zwischen minus 16 und minus 18 LUFS genutzt, damit die Stimme angenehm und nicht anstrengend wirkt. Die genaue Wahl hängt von Plattform, Zielgruppe und Einsatzzweck ab.

In der Audiobearbeitung wird die Lautheit mit speziellen Messwerkzeugen gemessen, die LUFS anzeigen. Der Toningenieur oder die Produktionsagentur passt dann Lautstärke, Kompression und Limiting so an, dass der gewünschte LUFS Zielwert erreicht wird. Für Marketing Verantwortliche reicht es meist zu wissen, welchen Zielwert man beauftragen sollte und dass dieser im Abnahmeprozess geprüft wird.

Mehr als Theorie: Wir produzieren Ihr Erklärvideo

Seit über 25 Jahren produziert mattostudios Erklärvideos, Animationen und Illustrationen für Wirtschaft und Politik – aus Stuttgart, München und Villingen-Schwenningen.

Jetzt Kontakt aufnehmen Referenzen ansehen