Animation & Motion Design · Ein Begriff aus dem MediaPedia-Lexikon von mattostudios

In der Welt von Erklärvideos, Produktfilmen und animierten Social-Media-Clips taucht im Gespräch zwischen Agentur, Motion-Design-Team und Auftraggeber immer häufiger ein Fachbegriff auf, der zunächst abstrakt klingt: die Massing-Studie. Für Marketing-Verantwortliche ist sie ein wertvolles Werkzeug, um schon früh im Prozess zu erkennen, ob eine geplante Animation in Stimmung, Gewichtung und Gesamtwirkung zur Marke und zur Kommunikationsstrategie passt. Gerade wenn Budgets, Timings und interne Abstimmungen eng sind, hilft eine Massing-Studie dabei, Risiken zu reduzieren und Entscheidungen faktennah zu treffen.

Grundidee und Definition

Eine Massing-Studie ist eine frühe visuelle Untersuchung, die sich auf die Verteilung von Formen, Größen, Bewegungsrichtungen und Bildgewichtung in einem Animationsprojekt konzentriert. Statt sich bereits in Details wie Feinschliff der Illustration, Texturen oder Typografie zu verlieren, betrachtet eine Massing-Studie vor allem das Zusammenspiel von:

  • großen und kleinen Bildelementen
  • hellen und dunklen Flächen
  • ruhigen und bewegten Bereichen
  • Schwerpunkt und Blickführung im Bild

Im Kern beantwortet sie die Frage: Wie fühlt sich die Komposition und Bewegung eines Videos an, bevor es „schön“ gemacht wird? Sie ist damit ein Zwischenschritt zwischen grobem Storyboard und finalem Animatic. Während ein klassisches Storyboard oft eher wie ein Comic mit Einzelbildern wirkt, zeigt eine Massing-Studie, wie sich die wichtigen Elemente über die Zeit hinweg im Raum verteilen und bewegen.

Warum Massing für Marketing relevant ist

Im Marketing-Alltag zählen Klarheit, Wiedererkennbarkeit und Markenpassung. Eine Massing-Studie hilft, diese Ziele frühzeitig zu prüfen. Sie ist besonders wertvoll in drei typischen Situationen:

  • Einführung komplexer Produkte etwa Software, technische Geräte oder Dienstleistungen mit vielen Features.
  • Markenrelaunch oder Rebranding bei dem ein neues visuelles Erscheinungsbild entwickelt wird.
  • Große Kampagnen mit mehreren Videoformaten zum Beispiel Erklärvideo, Social Cutdowns, Messefilm.

In all diesen Fällen unterstützt eine Massing-Studie die Frage, ob das geplante Bewegtbild die richtige Balance aus Information, Emotion und Markenwirkung hat. Sie verhindert, dass ein Video später „überladen“ wirkt oder die wichtigsten Botschaften im visuellen Lärm untergehen.

Wie eine Massing-Studie aussieht

In der Praxis wirkt eine Massing-Studie auf den ersten Blick unspektakulär. Häufig besteht sie aus groben, stilisierten Formen, Flächen und Platzhaltern. Farben sind reduziert oder nur angedeutet, Details fehlen bewusst. Typisch sind:

  • vereinfachte Figuren, oft nur Silhouetten
  • grobe Blöcke für Text und Logos
  • Flächen statt ausgearbeiteter Illustrationen
  • rudimentäre Bewegungsabläufe, die Timing und Dynamik zeigen

In vielen Teams wird eine Massing-Studie als kurze Videosequenz angelegt, die an ein Animatic erinnert. Manchmal bestehen die Szenen nur aus grauen und farbigen Rechtecken, Kreisen und einfachen Linien. Entscheidend ist nicht die Schönheit, sondern die Lesbarkeit und die Frage, ob der Zuschauer später intuitiv versteht, worauf er achten soll.

Abgrenzung zu Storyboard, Animatic und Styleframes

Storyboard

Ein Storyboard zeigt die Handlung Bild für Bild. Es legt fest, was passiert. Eine Massing-Studie konzentriert sich dagegen auf das Wie der visuellen Gewichtung. Ein Storyboard kann sehr detailliert sein, ohne dass klar ist, ob die spätere Animation überladen wirkt. Die Massing-Studie füllt diese Lücke, indem sie die Bildräume und Bewegungsrhythmen testet.

Animatic

Ein Animatic ist ein grob animiertes Storyboard mit Timing und Ton. Oft wird es bereits mit Voice-over und Musik kombiniert. Eine Massing-Studie kann vor oder parallel zum Animatic entstehen und konzentriert sich stärker auf die räumliche Verteilung und das Zusammenspiel von Elementen. Sie ist damit weniger „erzählerisch“ und stärker „kompositorisch“ ausgerichtet.

Styleframes

Styleframes zeigen, wie das Video später im finalen Look aussehen soll. Sie sind visuelle Versprechen an den Auftraggeber. Eine Massing-Studie kommt meist davor und beantwortet die Frage, ob die geplante Struktur überhaupt funktioniert. Erst wenn die Massing-Studie stimmig ist, lohnt es sich, in aufwendige Styleframes zu investieren.

Nutzen für die Markenkommunikation

Klarere Botschaften

In vielen Marketingvideos konkurrieren Produkt, Logo, Claims, Icons, Texttafeln und Illustrationen um Aufmerksamkeit. Eine Massing-Studie legt fest, welches Element zu welchem Zeitpunkt das visuelle Gewicht trägt. So lässt sich sicherstellen, dass:

  • das Produkt zum richtigen Moment im Fokus steht
  • wichtige Claims nicht von zu viel Bewegung im Hintergrund überlagert werden
  • Call-to-Action Elemente deutlich hervortreten

Dadurch wird die Botschaft leichter erfassbar und die Conversion-Wahrscheinlichkeit steigt, weil der Zuschauer nicht überfordert wird.

Markengerechte Bildsprache

Marken haben oft definierte Prinzipien, etwa „ruhig und vertrauenswürdig“ oder „dynamisch und innovativ“. Eine Massing-Studie zeigt, ob die geplante Animation diese Eigenschaften unterstützt. Ein Finanzdienstleister möchte möglicherweise wenige große, stabile Formen und sanfte Bewegungen. Ein Sport- oder Tech-Brand dagegen eher schnelle Schnitte, viele Richtungswechsel und wechselnde Bildschwerpunkte. Durch die Massing-Studie lässt sich früh erkennen, ob der visuelle Rhythmus zur Markenpersönlichkeit passt.

Praxisbeispiele aus Videoproduktion und Marketing-Alltag

Beispiel 1: Erklärvideo für eine Software

Ein B2B-Unternehmen plant ein Erklärvideo für eine neue Plattform. Das Skript ist komplex und umfasst mehrere Funktionen, Use Cases und Vorteile. Im ersten Storyboard wirken die Szenen dicht und informationsreich. Das Motion-Design-Team erstellt eine Massing-Studie, in der:

  • jede Hauptfunktion durch eine große, klare Form repräsentiert wird
  • Nebeninformationen als kleinere Flächen im Hintergrund erscheinen
  • Textbereiche vorab als Blöcke eingeplant werden, um Überfrachtung zu vermeiden

In der Präsentation wird schnell sichtbar, dass zu viele Informationen gleichzeitig auf dem Bildschirm liegen würden. Auf Basis der Massing-Studie entscheidet das Marketing-Team, die Inhalte in zwei kürzere Videos zu teilen und die wichtigsten Kernbotschaften zu priorisieren. So entsteht ein klareres Storytelling mit höherer Merkfähigkeit.

Beispiel 2: Social Media Kampagne für ein neues Produkt

Ein Konsumgüterhersteller möchte ein neues Getränk auf TikTok und Instagram bewerben. Geplant sind kurze, schnelle Clips. Die Agentur entwickelt eine Massing-Studie, die zeigt, wie sich die Flasche, das Logo und kurze Schlagworte im Hochformat bewegen. Dabei wird getestet, ob:

  • die Flasche groß genug erscheint, um auf dem Smartphone klar erkennbar zu sein
  • das Logo in den entscheidenden Frames im oberen Bildbereich platziert ist, damit es nicht von Interface-Elementen verdeckt wird
  • Textblöcke so angeordnet sind, dass sie auch bei kurzer Aufmerksamkeitsspanne schnell erfassbar sind

Die Massing-Studie zeigt, dass in der ersten Fassung das Logo zu lange zu klein ist und der Call-to-Action in der unteren Ecke verschwindet. Nach Anpassung der visuellen Gewichte wird die Kampagne deutlich markenstärker und performanter.

Beispiel 3: Messefilm mit vielen Szenen

Ein Industrieunternehmen plant einen Loop-Film für den Messestand. Mehrere Produktbereiche sollen gezeigt werden, dazu Image-Szenen und Statements. Die Gefahr: Der Film könnte anstrengend und unruhig wirken. Die Agentur schlägt deshalb eine Massing-Studie vor. Darin werden die Szenen nach „ruhig“ und „dynamisch“ geordnet und die Flächenanteile von Produktbildern, Text und abstrakten Grafikelementen getestet. Das Marketing-Team sieht schnell, dass zu viele dynamische Szenen hintereinander geplant waren. Mit Hilfe der Massing-Studie wird der Film so umgebaut, dass sich ruhige Informationsphasen und aufmerksamkeitsstarke Highlight-Momente abwechseln. Das Ergebnis wirkt professioneller und angenehmer für Messebesucher, die den Film mehrfach im Vorbeigehen sehen.

Typische Inhalte einer Massing-Studie

Auch wenn jede Agentur eigene Arbeitsweisen hat, enthält eine Massing-Studie häufig folgende Elemente:

  • Grobe Szenenaufteilung welche Bereiche des Bildes welchen Themen zugeordnet sind
  • Hierarchie der Bildinhalte was ist Hauptbotschaft, was Nebeninformation
  • Test von Blickführung wohin wird das Auge des Zuschauers zuerst gelenkt
  • Rhythmus und Tempo wie schnell wechseln Schwerpunkte und Szenen
  • Raum für Text und Untertitel damit wichtige Aussagen nicht in zu kleinen oder zu vollen Bereichen landen

Diese Punkte werden meist in einem kurzen Video oder in einer Sequenz von Standbildern visualisiert. Oft kommentiert das Motion-Design-Team die Massing-Studie mit kurzen Hinweisen, etwa:

„Hier verschieben wir den Schwerpunkt von der Person zum Produkt“
oder
„An dieser Stelle reduzieren wir Hintergrundbewegung, damit der Claim besser lesbar ist“

Vorteile im Produktionsprozess

Frühe Problemerkennung

Eine Massing-Studie macht sichtbar, wenn ein Konzept zu komplex, zu unruhig oder zu textlastig ist. Solche Probleme sind in diesem Stadium noch leicht korrigierbar. Werden sie erst im finalen Animationsstadium erkannt, sind Änderungen deutlich aufwendiger und teurer.

Bessere Abstimmung mit Stakeholdern

Gerade in größeren Unternehmen sind viele Personen in Entscheidungen rund um Videoinhalte eingebunden. Eine Massing-Studie schafft eine gemeinsame visuelle Gesprächsgrundlage, ohne dass Details ablenken. Entscheider können sich darauf konzentrieren, ob Struktur, Gewichtung und Tonalität zur Marke passen. Das reduziert Missverständnisse und spätere Korrekturschleifen.

Effizientere Ressourcennutzung

Illustration, detailliertes Motion Design und Sounddesign kosten Zeit und Budget. Mit einer Massing-Studie wird sichergestellt, dass diese Ressourcen erst dann voll eingesetzt werden, wenn die grundlegende Komposition steht. So lassen sich unnötige Überarbeitungen vermeiden.

Wie Marketing-Verantwortliche eine Massing-Studie beurteilen können

Auch ohne Designhintergrund lässt sich eine Massing-Studie sinnvoll bewerten. Einige Leitfragen helfen dabei:

  • Verstehe ich sofort, worum es in jeder Szene geht? Wenn nicht, könnte die Gewichtung der Elemente überarbeitet werden.
  • Ist klar erkennbar, was Hauptbotschaft und was Zusatzinformation ist? Unklare Hierarchien deuten auf eine Überfrachtung hin.
  • Passt der Bewegungsrhythmus zur Marke? Sehr schnelle Wechsel können modern wirken, aber auch stressen. Sehr langsame Abläufe können hochwertig wirken oder langweilen.
  • Bleibt genug Raum für Text, Untertitel und Logos? Wenn Flächen dauerhaft voll sind, wird Lesbarkeit später schwierig.
  • Kann ich mir vorstellen, dass der Zuschauer nach einmaligem Sehen die Kernbotschaft versteht? Wenn nicht, sollte die Massing-Studie vereinfacht werden.

Es ist hilfreich, die Massing-Studie mindestens einmal in Echtzeit anzuschauen und dann einzelne Schlüsselszenen zu stoppen, um zu prüfen, ob das Auge intuitiv weiß, worauf es sich konzentrieren soll.

Zusammenarbeit mit Agenturen und Studios

Wenn eine Agentur oder ein Studio eine Massing-Studie vorschlägt, lohnt sich eine kurze Klärung der Erwartungen. Sinnvolle Punkte sind:

  • Ziel der Studie Fokus auf Lesbarkeit, Markenwirkung oder Umsetzbarkeit
  • Umfang nur Schlüsselszenen oder das gesamte Video
  • Form statische Frames, Videosequenz oder interaktive Präsentation
  • Feedbackschleifen wie viele Runden sind vorgesehen

Marketing-Verantwortliche können zudem eigene Anforderungen einbringen, etwa:

„Uns ist wichtig, dass das Produkt in den ersten drei Sekunden klar im Fokus steht“
oder
„Der Call-to-Action soll visuell deutlich hervorgehoben werden“
Solche Hinweise lassen sich in der Massing-Studie besonders gut berücksichtigen, weil die Struktur noch flexibel ist.

Typische Missverständnisse und wie man sie vermeidet

„Das sieht noch nicht schön aus“

Eine Massing-Studie ist kein fertiges Design. Sie ist ein Arbeitswerkzeug. Es ist normal, dass sie grob wirkt. Wichtig ist, sich beim Feedback auf Struktur, Gewichtung und Rhythmus zu konzentrieren, nicht auf Farben oder Illustrationsstil.

„Wir brauchen das nicht, wir haben schon ein Storyboard“

Ein Storyboard allein zeigt oft nicht, wie sich die Elemente über Zeit und Raum hinweg verhalten. Gerade bei komplexeren Projekten kann eine Massing-Studie verhindern, dass ein formal korrektes, aber visuell überladenes Video entsteht. Sie ergänzt das Storyboard, statt es zu ersetzen.

„Das verlängert den Prozess nur“

Auf den ersten Blick bedeutet eine zusätzliche Massing-Studie mehr Arbeit. In der Praxis spart sie jedoch meist Zeit, weil sie spätere, teure Korrekturen reduziert. Projekte mit klarer visueller Struktur laufen in der Produktionsphase oft reibungsloser.

Fazit

Für Marketing-Verantwortliche, die mit Erklärvideos, Produktfilmen oder animierten Kampagnen arbeiten, ist die Massing-Studie ein wirkungsvolles Instrument, um frühzeitig die visuelle Klarheit und Markenpassung eines Projekts zu prüfen. Sie konzentriert sich nicht auf dekorative Details, sondern auf das Fundament einer erfolgreichen Animation: die Verteilung von Aufmerksamkeit, die Lesbarkeit von Botschaften und den Rhythmus der Bewegung. Indem sie zeigt, wie sich Schwerpunkte, Formen und Inhalte über die Zeit hinweg im Bildraum verhalten, macht sie komplexe Konzepte greifbar und ermöglicht fundierte Entscheidungen, bevor große Budgets in Feindesign und Produktion fließen. Wer die Massing-Studie als festen Bestandteil des Workflows etabliert, erhöht die Chance, dass Videos nicht nur schön aussehen, sondern ihre Botschaft klar vermitteln, zur Marke passen und im Alltag von Social Media, Website, Präsentation oder Messeauftritt tatsächlich wirken.

Häufige Fragen zu „Massing-Studie"

Eine Massing-Studie ist eine frühe visuelle Skizze, die zeigt, wie groß, schwer und präsent Figuren oder Objekte im Bild wirken. Sie konzentriert sich auf einfache Formen und Proportionen, nicht auf Details. So lässt sich schnell testen, ob eine Szene klar lesbar und für Zuschauer verständlich ist.

Mit einer Massing-Studie stellen Sie sicher, dass die wichtigsten Inhalte im Bild sofort ins Auge fallen. Der Blick der Zuschauer wird gezielt gelenkt und nichts wirkt zufällig platziert. Das reduziert spätere Korrekturen und sorgt für ein professionelleres und wirkungsvolleres Erklärvideo.

Eine Massing-Studie besteht meist aus einfachen Skizzen mit Flächen, groben Formen und Silhouetten. Farben und Details spielen kaum eine Rolle, entscheidend sind Größenverhältnisse und Anordnung im Bild. So können Designer schnell Varianten ausprobieren, ohne viel Zeit in Ausarbeitung zu stecken.

Die Massing-Studie entsteht früh, nach der ersten Idee und groben Story, aber noch vor der detaillierten Illustration oder Animation. Sie gehört zur visuellen Konzeptphase und hilft, den Look und die Bildaufteilung zu klären. Auf dieser Basis werden dann Storyboards, Designs und Animationen sicher weiterentwickelt.

Mehr als Theorie: Wir produzieren Ihr Erklärvideo

Seit über 25 Jahren produziert mattostudios Erklärvideos, Animationen und Illustrationen für Wirtschaft und Politik – aus Stuttgart, München und Villingen-Schwenningen.

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